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Vom CEO-Dashboard zur Pizzeria-Simulation
Manchmal steckt in einer Routineaufgabe eine unerwartete Idee. Was als schlichter Programmierauftrag begann, endete mit der Frage: Lässt sich eine Pizzeria als Discrete Time State Machine simulieren? Aber der Reihe nach.
Der neue CEO eines unserer Kunden möchte jeden Morgen sehen, wie das Geschäft am Vortag gelaufen ist. Sein Vorgänger war mit einer kurzen E-Mail zufrieden gewesen – der neue aber verlangt ein Dashboard. Kein Problem: Es gibt bereits ein Excel-Sheet mit den relevanten Kennzahlen, die Logik dahinter ist bekannt und gut verstanden, und ein bestehendes Dashboard wartet nur darauf, etwas aufgefrischt zu werden. Eine der leichteren Übungen für Calya Consult, ideal für Vibe Coding.
Während die KI den Programmierauftrag abarbeitete, überlegte ich mir, wie ich dem CEO ein kleines Aha!-Erlebnis verschaffen könnte. Er weiss natürlich, dass hinter dem Dashboard Automatisierung steckt – aber sehen ist besser als wissen. Also kam ich auf die Idee eines Buttons: "Daten von vorgestern ansehen". Beim Aufruf der Seite sieht man die Zahlen des Vortags, ein Klick zeigt die Zahlen des Vor-Vortags – und damit einen messbaren Entwicklungsschritt.
Und da traf mich der Gedanke: Ein solches Dashboard ist eigentlich ein eingefrorener Schnappschuss einer Discrete Time State Machine. Zustand gestern, Zustand vorgestern, ein klar definierter Übergang dazwischen.
Was kann man mit so einer Maschine sonst noch machen? Die Frage liess mich nicht los. Eine Simulation liegt auf der Hand: Man legt bestimmte Parameter fest, simuliert andere per Zufallsgenerator und lässt die Maschine Zustand für Zustand berechnen und anzeigen. Web-Traffic wäre ein naheliegendes Beispiel – aber auch ein ziemlich farbloses. Es braucht etwas mit echtem Leben, echten Abhängigkeiten, echten Konsequenzen.
Da kommt die Pizzeria ins Spiel.
Aus der Sicht des Filialleiters einer Pizzeria ist die Welt überschaubar: Kunden kommen herein, bestellen, bezahlen. Bestellungen bestehen aus einem oder mehreren Produkten. Vorräte schrumpfen mit jeder Bestellung. Auf der einen Seite fliesst etwas herein – Gäste und Geld –, auf der anderen Seite geht etwas hinaus – Artikel aus dem Lager. Am Ende des Tages will er wissen: Wie viele Gäste hatten wir? Welche Einnahmen haben wir generiert? Und vor allem: Was muss nachbestellt werden?
Natürlich ist das eine stark vereinfachte Sicht. Fehlende Mitarbeiter, Hygienestandards in der Küche, Glasbruch – das alles gehört zum Alltag eines Filialleiters. Aber eines liegt ihm ganz besonders am Herzen: Er will keinen Gast mit den Worten "Leider sind uns die Champignons ausgegangen" enttäuschen müssen. Und schon gar nicht möchte er den Pizzaofen abstellen, weil der Teig alle ist.
Genau diese Art von Engpass – vorhersehbar, vermeidbar, aber folgenreich – macht die Pizzeria zur idealen Simulationsumgebung. Wir arbeiten die wesentlichen Kennzahlen heraus, setzen sie miteinander in Beziehung und stellen sie in ihrem zeitlichen Ablauf dar. Und da zeigt sich, dass kritische Situationen nicht vom Himmel fallen, sondern schon im Voraus erkannt werden können.
Die Umsetzung der Idee eines Pizzeria-Simulators könnt ihr hier selbst ausprobieren: The Virtual Pizzeria. Die einfache Variante läuft mit reinen Zufallszahlen – die zweite Variante hingegen kennt den Unterschied zwischen Mittagsrush und Nachmittagsflaute, und weiss zudem, dass wer eine Pizza bestellt, oft auch einen Salat dazu möchte, oder dass zu Pizza Diavola besonders gerne Bier getrunken wird. Die Champignons gehen übrigens in beiden Varianten schneller aus, als man denkt.