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Mehr Besucher? Toll!

Aber schauen Sie lieber genau hin.

Die Zugriffszahlen gehen deutlich nach oben. Die Website zieht seit ein paar Wochen immer mehr Besucher an. Endlich bekommt unser Angebot die Beachtung, die es verdient. Freude herrscht. Allerdings nur so lange, bis man sich die Zahlen genauer ansieht. Da setzt dann rasch Ernüchterung ein.

Für alle, die Websites professionell betreuen, ist Bot-Traffic ein alter Bekannter. Meist liegt sein Ursprung in China oder in den USA. Es handelt sich um Crawler, die systematisch, hartnäckig und einigermassen vorhersehbar agieren; sie gehen von spezialisierten Rechenzentren aus und dienen als SEO-Scraper oder Content Harvester für KI-Trainingsmodelle.

Singapur war in diesem Zusammenhang noch nie ein Thema. Für die von mir verwalteten Domains war der Traffic aus der asiatischen Metropole stets vernachlässigbar – eine Handvoll echter Besucher pro Monat, genau die Zahlen, die man von einem kleinen, aber ernsthaft interessierten internationalen Publikum erwartet.

Das hat sich vor etwa zwei bis drei Monaten schlagartig geändert.

Plötzlich steht Singapur bei der geografischen Auswertung in GA4 ganz oben. Nicht irgenwo unter den Top 10, nein, direkt auf Platz 1. Und das ist verdächtig. Was suchen die hier?

Ein Blick auf das Nutzerverhalten hinter diesen Zahlen bestätigt den Verdacht: Hohe Zahlen aktiver Nutzer, aber null Sitzungen mit Interaktion. Die durchschnittliche Verweildauer liegt im Bereich von Sekundenbruchteilen. Kein Scrollen, keine Klicks, nichts. Nur ein kurzer digitaler Impuls – genug, um als Besuch registriert zu werden, aber zu wenig, um auf einen echten Menschen hindeuten zu können.

Es sieht nicht aus wie Traffic. Es sieht aus wie ein Herzschlag.

Die folgende Tabelle basiert auf einem echten, aber proportional skalierten GA4-Snapshot, um das Muster beizubehalten ohne die echten Zahlen preiszugeben. Wie deutlich zu sehen ist, liegt Singapur bei der Anzahl der aktiven Nutzer mit deutlichem Abstand an der Spitze. Die Interaktionsrate? Null. Nicht niedrig – absolut null.

CountryActive usersNew usersEngaged sessionsEngagement rateEngaged sessions per active userAvg engagement time (s)Event count
Singapore28628600%00.38913
Switzerland110979975%0.90255.351,595
China555500%00367
Germany44312873%0.64148.31132
Poland22221986%0.8693.00231
United States222200%0066
(not set)111100%0033
Iraq101000%02.0044
Sweden91100%0033

Vergleichen Sie das mit der Schweiz, Deutschland oder Polen im selben Datensatz: kleinere Zielgruppen, aber echte Menschen. Die Schweiz weist eine Interaktionsrate von 75 % und eine durchschnittliche Sitzungsdauer von über vier Minuten auf. Die Besucher aus Polen sind sogar noch engagierter, wenn auch rascher wieder weg. Das sind die Zahlen, die gesunder internationaler Traffic liefert.

Singapur liefert nichts davon. Singapur liefert nur Volumen.

Warum Singapur?

Die Besucher aus Singapur sind mit grösster Wahrscheinlickeit Bots, das heisst automatisierte Abrufe von Web-Inhalten, und keine echten Menschen, die etwas auf unserer Website suchen. Singapur beherbergt einige der grössten Rechenzentren Asiens und ist ein wichtiger Austrittspunkt für kommerzielle VPN-Infrastrukturen. Wenn ein Bot-Betreiber seinen Traffic über Server in Singapur leitet – sei es, um geografisch neutral zu wirken, regionale Hosting-Kapazitäten zu nutzen oder einfach, weil es preisgünstig ist –, erscheint in den Analytics-Auswertungen Singapur als Standort. Der eigentliche Ursprung kann überall liegen. Das ist derselbe Grund, warum so viel Bot-Traffic US-Städten wie Ashburn, Virginia, zugeordnet wird: Dort stehen die Server, nicht die Betreiber.

Für uns ist solcher Traffic im besten Fall wertlos, im schlimmsten Fall belastet er auf unsere Kosten den Webserver, auf dem wir unseren Webauftritt hosten.

Was kann man dagegen tun? Einiges! Aber darüber mehr in der nächsten Folge der Reihe «Wie halte ich meine Daten sauber?»